Gutshöfe und Herrenhäuser

Bauernhof bei Malente-Kreuzfeld, Foto: J. Schulz

An vielen malerischen Orten des Naturparks lassen sich beeindruckende Spuren aus der Blütezeit des Landadels mit seinen landwirtschaftlichen Gutsanlagen finden. Im 16. bis 18. Jahrhundert war die Gutswirtschaft stark verbreitet und im heutigen Naturpark hatte sie eine besonders große Bedeutung erlangt. Im Gebiet des heutigen Naturparks liegen z. B. Gut Seedorf, Gut Rantzau, Gut Rixdorf, Gut Nehmten, Gut Ascheberg, Gut Rohlstorf, Gut Wensin etc. Die Güter hatten oftmals viele Nebenhöfe, so genannte Meierhöfe.

Von den einst stattlichen Gutsanlagen mit vielen Wirtschaftsgebäuden sind heutzutage an manchen Stellen nur noch einzelne Häuser vorhanden. Einige sind jedoch aufwendig restauriert worden und viele sind noch im Besitz von Adelsfamilien. Viele Gutsanlagen stehen nicht zur Besichtigung offen.

Die Gutsanlagen des 18. Jh. hatten meist ein stattliches Herrenhaus, das an manchen Orten wegen seines prunkvollen Baustils auch als Schloss bezeichnet wurde. Im Herrenhaus wohnten die Gutsherren mit ihren Familien. Hinter dem Herrenhaus gab es eine aufwändige Park- oder Gartenanlage.

Vor dem Herrenhaus lag der Vorhof, der von zahlreichen Stall- und Wirtschaftsgebäuden umgeben war. Dort befanden sich auch Wohnungen für das Personal, eine Bäckerei, Sattlerei etc., sofern diese nicht auf Nebenhöfe ausgelagert waren.

Den Abschluss nach vorne bildete ein Torhaus, das die Großartigkeit der Gutsanlage demonstrieren und vor Eindringlingen schützen sollte. Die Zufahrtswege zum Torhaus wurden mit Alleen bepflanzt. So wurde von weither der Herrschaftsanspruch des Gutshofes in die Region sichtbar. Viele Lindenalleen des heutigen Natur-parks stammen aus dieser Zeit und sind demnach mehr als 300 Jahre alt.

Seedorfer Torhaus, Foto: D. Rode

Allee zwischen Dersau und Sande, Foto: D. Rode

Die Gutswirtschaft konnte sich nur unter speziellen Besitz- und Herrschaftsverhältnissen ausbilden. Vorausgegangen war eine wechselvolle Geschichte des Landes mit vielen Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft.

Der Limes Saxonie bildete den Grenzsaum zwischen den sumpfigen und waldreichen Gebieten, in denen slawische Stämme lebten und den Siedlungsgebieten der Sachsen. Entlang des Grenzsaumes gab es immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen. Als der Siedlungsraum westlich des Limes Saxoniae knapp wurde, wurden die Slawen von Schaunburger Grafen und ihren Gefolgsleuten angegriffen und in der zweiten Hälfte des 12. Jh. besiegt. Die Schaunburger Grafen trieben die Ostkolonisation und Christianisierung voran und versuchten so ihre Macht auszuweiten.

Unterstützten Ritter die nach Macht strebenden Grafen erfolgreich bei Schlachten, erhielten sie als Dank Ländereien in dem neu eroberten Gebiet. Zur Bewirtschaftung der Ländereien wurden Bauern aus dem ganzen Land angeworben. Der Ritter verpflichtete sich zum Schutz seiner Gebiete und der in ihm lebenden Menschen. Die Bauern mussten hingegen den zehnten Teil ihres Einkommens an die Herrschaft abtreten und mithelfen, die Gutsanlage mit so genannten Hand- und Spanndiensten (körperliche Arbeit und Arbeit mit dem Ochsengespann) zu bewirtschaften. So entstand die Grundlage für den Großgrundbesitz und das Gutsadeltum.

Ab dem Jahre 1524 konnten die Ritter ihren Einfluss stark ausweiten, denn als Dank für weitere erfolgreiche Kämpfe forderten und erhielten sie von Friedrich I. die Gerichtsbarkeit über Hals und Hand, d. h. das Recht, über die Anwohner ihrer Ländereien Gericht zu üben. Der Gutsherr konnte nun bestimmen, dass die Bauern ausschließlich für ihn zu wirtschaften hatten. Dies war der Beginn der Leibeigenschaft. Ganze Dörfer fielen in die totale Abhängigkeit zu ihrem Gutsherren, viele Menschen verarmten und waren der Willkür der Obrigkeit ausgeliefert. Das Ende der Leibeigenschaft wurde 1739 vom Grafen Hans Rantzau eingeleitet. Er erkannte auf seinem Gut Ascheberg, dass Bauern mehr erwirtschaften, wenn sie ein gepachtetes Stück Land bearbeiten als das des Gutsherren. Bis die Leibeigenschaft am 1. Januar 1805 endgültig aufgehoben wurde, vergingen allerdings noch viele Jahre.

Nebengebäude der Dunkerschen Kate in Bosau,
Foto: J. Schulz

 

 

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