Der Laubfrosch

Der Name

Der Name Laubfrosch(Hyla arborea) verweist auf den bevorzugten Lebensraum im Blattwerk von Sträuchern und Bäumen. Die vermeintliche Fähigkeit, das Wetter vorherzusagen, führte zu dem weit verbreiteten Namen „Wetterfrosch“.

Merkmale

Der Laubfrosch ist aufgrund seiner Lebensweise, Größe und Färbung leicht von den heimischen Froschlurchen zu unterscheiden. Die wesentlichen Artmerkmale sind:

Kopf-Rumpflänge: ca. 3 - 4,5cm, seltener über 4,5cm.

Besonderst hervorzuheben sind die scheibenförmigen Haftpolster an Zehen- und Fingerspitzen, mit denen Laubfrösche problemlos an senkrechten Glasscheiben empor klettern.

Körperfärbung: Oberseite hellgrün, glatt und glänzend. Unterseite weiß bis grau und im Gegensatz zur Oberseite grobkörnig. Von der Nasenöffnung verläuft über Auge und Trommelfell ein dunkler Streifen an der Körperseite bis zur Hüfte, der sich von dort nach oben zu einer auffällig dunklen Leiste umbiegt.

Geschlechtsunterschiede: die Männchen besitzen eine kehlseitige große Schallblase. Die Kehlhaut der Männchen ist graubraun und faltig, die der Weibchen hell und glatt.

Balzrufe: Mit ihrer Schallblase erzeugen die Männchen Rufe, die oft bis über einen Kilometer weit zu hören sind. In das rhythmische „äpp…äpp…äpp“ synchronisieren benachbarte Männchen ihre Rufe dergestalt, dass der gemeinsame Chor an Lautstärke enorm gewinnt.

Die rufko0nzerte, von Ende April bis Ende Juni zu hören, beginnen mit einsetzen der Dämmerung und dauern bis gegen ein Uhr nachts. Bis in den Herbst hinein können einzelne Rufe im Sommerlebensraum gehört werden.

Lebensweise

Mit steigenden Temperaturen in der zweiten Aprilhälfte suchen die Laubfrösche zur Fortpflanzung die Laichgewässer auf. Ende Juni nehmen ihre Rufkonzerte ab und die Laichzeit endet. Zentimeter großen jungen Laubfrösche nach Abschluss ihrer Entwicklung von der wasserlebenden Kaulquappe zum lungenatmenden Amphibium( Metamorphose) die Gewässer. Sofort suchen sie erhöhte Ansitze auf und machen Jagd auf Insekten, die meist im Sprung erbeutet werden. Im Gegensatz zu den übrigen  heimischen Froschlurchen, die es lieber schattig und feucht lieben, sitzt der Laubfrosch tagsüber in der prallen Sonne und ruht. Nachmittags bis in die Dämmerung geht er auf Nahrungssuche.

Lebensraum

Als Wärme liebende Art findet sich der Laubfrosch an sonnigen, windgeschützten Saumbiotpen ein. Dies können Knicks, Waldränder und auch Gewässerränder sein mit blütenreichen Stauden, die reich an Insekten sind, der bevorzugten Nahrung. Auch extensiv beweidete Wiesen, Gärten und Parks sind durchaus geeignet.

Eine besondere Bedeutung kommt dem Laichplatzangebot zu. Bevorzugt werden Kleingewässer mit krautreichen Flachwasserzonen. Die Gewässer müssen besonnt und frei von Fischen sein, denn Laich und Kaulquappen werden von Fischen gefressen. Der Laubfrosch gilt als Zeigerart für eine extensiv genutzte, kleinstrukturierte Kulturlandschaft mit dichtem Knicknetz, hoher Kleingewässerdichte und größerem Grünlandanteil.

Im Naturpark Holsteinische Schweiz kommt der Laubfrosch vor allem an den sehr welligen und hügeligen Endmoränenzügen vor, denn sie bieten ihm optimale Lebensbedingungen. Die steilen Hänge können oft nicht gut bewirtschaftet werden, verbuschen häufig und sind deshalb windgeschützt. Ausschlaggebend für das Vorkommen des Laubfrosches sind aber die vorzufindenden Bodenverhältnisse. Auf den jungeiszeitlichen  Geschiebelehmen staut sich die Nässe besonderst gut. In den Senken bilden sich vermehrt Tümpel und andere Kleingewässer. Das Wasser ist wegen des mineralischen Untergrunds leicht basisch ( PH 7 bis 7,5), dies ist eine Voraussetzung für die Entwicklung des Laubfroschs.  

Verbreitung, Gefährdung und Schutz

Der Laubfrosch ist in Schleswig-Holstein stark gefährdet. Das Östliche Hügelland war früher flächendeckend vom Laubfrosch besiedelt, heute dürfen es kaum noch 10% des Gebietes sein. Zusätzlich sind drei weitere inselartige Vorkommen auf der Hohen Geest bekannt, sie liegen im Kisdorfer Wohld, in der Husumer und in der Itzehoer Geest. Im Bereich Selenter See und Plön, als auch im südlichen Teil des Kreises Ostholstein noch relativ stabil. Im Kreis Segeberg dokumentieren wir von der Arbeitsgruppe Amphibien des BUND Kreis Segeberg seit zwanzig Jahren Verbreitungskarten den Rückzug der Laubfroschpopulationen im Abstand von ca. zehn Jahren dargestellt. Vor hundert Jahren dürfte der gesamte Bereich, der von der letzten Vereisung mit Geschiebelehm bedeckt wurde, vom Laubfrosch besiedelt gewesen sein. Darauf verweist schon die Verbreitungskarte von 1985. Innerhalb der letzten zwanzig Jahre  sind große Flächenverluste erfolgt. Hinzu kommt einen Verkleinerung der Rufgemeinschaften. Das Zentrum der Verbreitung  im Untersuchungsgebiet liegt mit über 500 Rufnachweisen im Dreieck Pronsdorf- Ahrensbök- Stockelsdorf. Hier allein riefen an drei Gewässern fünfzig Männchen. Im gesamten Kreis Segeberg finden sich nur noch zwei Laichplätze dieser Größenordnung: eins im Kisdorfer Wohld  und ein weiteres am Seedorfer See. Die Verbreitungsschwerpunkte liegen alle im Bereich von ausgedehnten Endmoränenzügen. Das bedeutenste Verbreitungsgebiet ist vier bis sechs Kilometer breit und zieht sich vom Großen Plöner See nach Osten, biegt dann nach Süden 7um und verläuft über Ahrensbök-Reinfeld in Richtung Ratzeburger See. In dieser hügeligen Landschaft sind die Lebensraumansprüche des Laubfrosches wohl am besten realisiert. Die Hauptursache für das Verschwinden des Laubfrosches aus unserer Kulturlandschaft ist durch den Mensche verursacht: Flurbereinigung, Intensivierung der Landwirtschaft, Biozide, Trockenlegung, Fischbesatz und die Verfüllung von Kleingewässern. Damit einher geht die Zerstörung des Biotopverbundes mit der Isolierung der Populationen.

Wirksame Maßnahmen zum Schutz sind:

  • Schaffung und Erhaltung von Laichgewässern geeigneten Lebensräumen.
  • Erhöhung des extensiv genutzten Grünlandanteils.
  • Wiederherstellung der Ackerränder als Saumbiotope.
  • Neuanlage von Knicks und Gehölzstreifen.
  • Verzicht auf Biozide und Dünger im Gewässerbereich.
  • Laichgewässer sind mit breiten Pufferzonen zu versehen.
  • Dokumentation und Bewachung der Bestände durch die Kreise oder auch durch die Gemeinden ( Naturschutzbeauftragte).
  • Entfernung von Fischen aus geeigneten Kleingewässern
  • Erhöhung des Ödlandanteils.

Text: Peter Ivanschitz

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